Vom 13. bis 22. Mai zog eine Karawane durchs Dreiecksland. Mit sich führte sie ein straßenbreites, gelbes Transparent mit der Aufschrift: Karawane 2010 gegen Armut und Ausgrenzung. Mit ihr zogen Männer und Frauen jeden Alters, die auf ihre und die Lebensbedingungen derer aufmerksam machen wollten, deren Leben am unteren Rand der Gesellschaft stattfindet. Immer mehr wurden es in den vergangenen Jahren – auch in den reichen Ländern Europas. Das europäische Jahr 2010 gegen Armut und Ausgrenzung, ausgerufen von der Europäischen Kommission, ist ein Reflex der Politik auf diese verhängnisvolle Entwicklung.
Durch zehn Städte Badens, dem Elsass und dem Kanton Basel zog die Karawane 2010, organisiert von Betroffeneninitiativen der Wohnungslosenhilfe. Sie zog nicht unbemerkt, wurde wahrgenommen: Presse, Öffentlichkeit und Kommunalpolitik reagierte auf ihr Anliegen. Jedoch nicht überall gleich. In Heidelberg sagte der Oberbürgermeister den vorgesehenen Empfang aus Zeitgründen ab und auch in Freiburg blieb der Sozialbürgermeister lieber zu Hause. Allerdings schmälerte das nicht den Erfolg dieses Mitprojektes, das sich die Aufgabe stellte, auf die eigene Situation, auf Armut und Ausgrenzung aufmerksam zu machen und in der Öffentlichkeit für soziale Lösungen ihrer Beseitigung zu werben. Die sozialen Lösungen? Auch ihre Thematisierung und Formulierung war Mitmachprojekt, denn die Karawane war gleichzeitig auch wie ein an der Praxis orientierter, herumziehender Workshop, der sich vor Ort informierte und die gemachten Erfahrungen verarbeitete. Jeder Stadt, die aufgesucht wurde, war ihre eigene Thematik gewidmet. Baden-Baden beispielsweise das Thema arm und reich – soziale Toleranz. Es stellte sich schnell heraus, dass das Klischee der reichen Stadt Baden-Baden nicht stimmte. Die vorbereitenden Arbeitsgruppen für den Aktionstag zum Thema soziale Toleranz brachten einige Vorschläge, die auf Veränderung des Bestehenden zielten. Sie wurden in der Innenstadt, während der Aktion, auf eigenst präparierten Plakaten vorgestellt.
Die Karawane bewirkte auch praktische Lösungen sozialer Schieflagen vor Ort. So versprach der Sozialbürgermeister in Karlsruhe, Betroffene in der Arbeit des Sozialausschusses der Stadt mit einzubeziehen. In Freiburg, wo die Missstände der städtischen Notunterkunft mit Vertretern der Stadt diskutiert wurden, versprach man Abhilfe zu schaffen.
Die Karawane 2010 war eine Reise wert. Sie setzte quasi alle Themen auf die Tagesordnung, wenn Menschen gemeinsam agieren: Partizipation, demokratische Aussprache und Beschlussfassung, solidarisches Zusammenleben und Herangehen an Konflikte in der Gemeinschaft, Aufeinander zugehen und Voneinander lernen! Dies alles wäre nicht möglich gewesen ohne finanzielle Unterstützung des Caritasverbandes der Region, der dieses Projekt mit ca. 13 000 € unterstützte.
Die Karawane 2010 ist noch nicht zu Ende. Die gemachten Erfahrungen müssen aufgearbeitet werden und es wird unter den Teilnehmern/innen diskutiert wie die Ergebnisse perspektivisch umgesetzt werden können.
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